Ehemalige
Zwangsarbeiter zu Gast in Prora
Prora
- Die Projektgruppe Prora der Stiftung Neue Kultur hat in Zusammenarbeit
mit dem polnischen Verband der ehemaligen KZ-Häftlinge und Gefangenen
recherchiert und Menschen ausfindig gemacht, die vor allem auf
Rügen Zwangsarbeit geleistet haben. Ihre Berichte und Erfahrungen
sind Teil der Ausstellung " MACHTurlaub" im Dokumentationszentrum
Prora. Im Rahmen einer von diesem Zentrum organisierten Begegnungswoche
sind die ehemaligen Zwangsarbeiter heute gemeinsam mit Sozialministerin
Dr. Marianne Linke (Die Linkspartei.PDS) zu einem Podiumsgespräch
im Grundtvighaus in Sassnitz eingeladen, an dem auch Zeitzeugen
aus Rügen teilnehmen.
"Die
Verschleppung ausländischer Männer, Frauen und Kinder zur Zwangsarbeit
war im 3. Reich an vielen Orten direkt vor der eigenen Haustür
sichtbar. Nicht weit entfernt lagen die Orte des Grauens, sondern
mitten unter uns - auch in Mecklenburg-Vorpommern" - sagte
die Sozialministerin in ihrer Begrüßungsansprache.
Mecklenburg
und Pommern war während der Zeit des Nationalsozialismus flächendeckend
mit unterschiedlich großen Lagern für ausländische Zivilisten,
Kriegsgefangene und Häftlinge bedeckt. Bis heute ist ihre genaue
Zahl nicht bekannt. Nach Schätzungen machten die Zwangsarbeiter
und Kriegsgefangenen im Jahr 1943 sogar 50 % aller Beschäftigten
in der Industrie und Landwirtschaft Mecklenburg und Vorpommerns
aus. Allein in der Rüstungsindustrie waren im Mai 1943 von den
116.000 Arbeitnehmern rund 45.000 Ausländer. Damit hatte sich
die Anzahl im Zeitraum von 1940 verzehnfacht.
Die
Stiftung NEUE KULTUR ist seit dem Jahr 2000 auf Rügen das Dokumentationszentrum
Prora. Die dort gezeigte Dauerausstellung "MACHTUrlaub"
wurde in den Jahren 2003 und 2004 mit Partnern aus Polen, Tschechien,
Holland und Österreich erarbeitet. Sie ordnet die Funktion des
geplanten "Kraft durch Freude" (KdF)-Seebades Prora
wie der Freizeitorganisationen in die Machtstrukturen des Naziregimes
ein und leistet damit einen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte
des so genannten "Seebades der Zwanzigtausend".
"Im
sogenannten Seebad der 20.000 wird auch Dank des Engagements
der Stiftung Neue Kultur der Mechanismus von Lockung und Zwang
im Dritten Reich verständlich. Prora ist ein Synonym für die
Politik der Nationalsozialisten - einerseits die Ideologie von
Herrenvolk und Herrenrasse, andererseits die Vernichtung vieler
Völker" - erklärte die Sozialministerin. Finanziert wurde
dieses System auch durch die Arbeit der Zwangsarbeiter. "Millionen
von Zwangsarbeitern bezahlten von 1940 an viele Milliarden Reichsmark
in die deutschen Sozialversicherungssysteme. Die Stiftung Neue
Kultur hat sich deshalb zu Recht nicht darauf beschränkt, die
Geschichte des Seebades Prora allein aufzuarbeiten."