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Bergen/MVregio - Die Kritik an den Medien auf Rügen wird immer lauter. "Sie rennen zu jedem Fundort, wo ein toter Vogel gemeldet wird, und am liebsten würden sie mit der Kamera in den Plastiksack reinzoomen... Ein Fotograf wollte sogar, dass ich mit dem toten Vogel in der Hand -quasi wie eine Jagdtrophäe - mich fotografieren lasse", beschreibt ein Helfer die Situation vor Ort. Teilweise sollen von Fotografen und Kameraleuten verschlossene Säcke mit toten Tierkadavern wieder aufgerissen worden sein, nur um schnell noch ein Foto zu schießen. Anschließend gehen sie, ohne sich zu dekontaminieren, zu ihren Fahrzeugen und fahren nach Berlin oder anders wo hin. Besser und schneller kann man den Virus nicht verbreiten. Ein Helfer berichtet, dass ein Team von einem TV Privatsender mehrere tote Schwäne gefilmt habe. Dabei sei der Kameramann so dicht an ein totes Tier gekommen, dass er es berührt habe. Anschließend sei das Team zu einem Dreh auf einer Geflügelfarm gefahren, ohne sich vorher zu dekontaminieren. Solche und ähnliche Vorfälle berichten Anwohner und Helfer. Der Präsident des Friedrich-Loeffler- Instituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter, hatte bereits im MDR- Fernsehen (Leipzig) das Verhalten von Medienvertretern auf Rügen äußerst scharf kritisiert. Auch er hatte davon berichtet, dass die Kamerateams anschließend mit ihrer kontaminierten Ausrüstung und Kleidung unmittelbar in die Geflügelbestände hinein gingen, um zu filmen. Selbst die Anwohner fühlen sich nun immer mehr belästigt, und manche Reporter schrecken offenbar nicht mal davor zurück, Anwohner zu suchen, die irgendwie erkältet sind, um diese dann zu filmen. So soll nach Berichten ein Reporterteam sich bei Anwohnern nach erkälteten oder erkrankten Personen erkundigt haben, um diese zu filmen und vermutlich als Erkrankte der Vogelgrippe auszugeben. In einem Fall soll sogar ein hoher Geldbetrag für einen Dreh bei einem Erkrankten geboten worden sein. Landrätin Kerstin Kassner (PDS)(Foto) beschreibt gegenüber MVregio das Verhalten der Medien als schlimm und bestätigt die Vorfälle. "Die Situation mit den Medien ist wirklich schlimm, was da alles aus purer Sensationslust und der "Schlagzeile" wegen, von den einigen Medien verantwortungslos veranstaltet wird ist nicht mehr zu beschreiben. Wir sind dabei alles menschenmögliche tun, um die Situation in den Griff zu bekommen. Ich kann nur noch einmal betonen, was hier mit den Medien abläuft, ist nicht zu begreifen." Inzwischen bestätigt Frau Kassner, dass man den Rügendamm sperren will und jeden kontrollieren werde, der die Insel ohne Dekontaminierung verlassen will. Das Gebiet im Bereich Rügen Nord wird derzeit ebenfalls komplett abgesperrt. Diese Absperrung gilt ab sofort auch für die Medien. Auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus fordert über seine Pressesprecherin inzwischen die Medien zu mehr Verantwortung in ihrem Handeln vor Ort und in ihrer Berichterstattung auf. "Es kann nicht sein, dass Reporter überall rum rennen, Plastiksäcke von toten Tierkadavern aufreißen und dann ohne Desinfektion weiter fahren und so womöglich den Virus auf das Festland tragen", so die Sprecherin zu MVregio. Auch das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern hat inzwischen Kenntnis von dem Teilweise unverantwortlichen Verhalten einiger Medienvertreter vor Ort. Unbestätigten Meldungen zu Folge soll unter anderem ein TV Bericht im Dänischen Fernsehen gelaufen sein, wo ein kranker Anwohner, der zuvor einen toten Schwan angefasst hatte, im Krankenhaus gefilmt wurde. Im Text soll von dem Moderator behauptet worden sein, dass der Mann vermutlich an der Vogelgrippe erkrankt sei. zum Diskussions-Forum oder putbus.net Message-Board 20. Februar 2006
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