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Bürgerinitiative Pro Rügen und Landrätin schreiben an Mitglieder des Landtages

Bergen - Landrätin Kerstin Kassner wird den Mitgliedern des Landtages Mecklenburg-Vorpommern vor Beginn der Beratung über das Gesetz zur Verwaltungsmodernisierung am 08. Juni 2005 einen Brief übergeben. Das von ihr und vom Vorsitzenden der Bürgerinitiative Pro Rügen, Prof. Dr. Dieter Reinhardt, unterzeichnete Schreiben macht noch einmal auf die Haltung der Rüganer zur geplanten Kreisgebietsreform aufmerksam.

„Die Meinung der Rüganer ist eindeutig: Ja zur Funktionalreform, nein zur Kreisgebietsreform! Der Erhalt der Eigenständigkeit des Landkreises Rügen hat für uns oberste Priorität“, heißt es darin. Im folgenden wird auf das klare Votum der Rüganer während des Bürgerentscheids im vergangenen Jahr und auf den Beschluss des Kreistages zur Selbständigkeit Rügens verwiesen. Zahlreiche Argumente, wie die 200jährige Tradition als eigenständiger Landkreis, die geografische Lage, die erfolgreiche Entwicklung als Urlaubs- und Wirtschaftsregion, die internationale Wertschätzung, die funktionierende, auf die Insel zugeschnittene Infrastruktur und die Präsenz jeder Region im Kreistag, sind in dem Brief dargelegt. „Der Landkreis Rügen hat in den vergangenen Jahren nachgewiesen, dass er die Aufgaben für seine Bürger und die vielen tausend Urlauber erfüllen kann. Er will dies auch künftig so tun“, heißt es weiter.

Bürgerinitiative und Landrätin bitten die Mitglieder des Landtages, nicht zuzulassen, dass der Landkreis Rügen seine Eigenständigkeit verliert. „Die Rüganer haben sich vehement und deutlich für den Erhalt des Landkreises Rügen ausgesprochen. Enttäuschen Sie sie nicht. Wir hoffen sehr, dass Sie Ihre Verantwortung im Interesse der Bürger des Landkreises Rügen wahrnehmen“, beenden Dieter Reinhardt und Kerstin Kassner ihren Brief.

             

Nachfolgend der Wortlauf des Briefes:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrer Sitzung am 08. Juni 2005 beraten Sie über das Gesetz zur Verwaltungsmodernisierung in Mecklenburg-Vorpommern.

Seit Monaten wird über die Inhalte öffentlich debattiert. Die Meinung der Rüganer ist eindeutig: Ja zur Funktionalreform, nein zur Kreisgebietsreform! Der Erhalt der Eigenständigkeit des Landkreises Rügen hat für uns oberste Priorität.

Die Rüganer identifizieren sich mit ihrem Landkreis Rügen! Bei einem Bürgerentscheid im vergangenen Jahr haben sie sich ganz klar für einen selbständigen Landkreis Rügen ausgesprochen. Mehr als 92 Prozent der Wähler stimmten für den Erhalt des Landkreises Rügen. Auch der Kreistag hat sich in seiner politischen Verantwortung für den Erhalt der Selbständigkeit Rügens ausgesprochen.

Rügen ist der einzige deutsche Inselkreis. Er kann auf eine 200jährige Tradition als eigenständiger Landkreis verweisen. Aufgrund seiner geografischen Lage, seiner historischen Wurzeln, seiner einzigartigen Naturausstattung und seiner typischen Inselwirtschaft stellt der Landkreis Rügen etwas Besonderes dar!

Der Landkreis Rügen zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Ferienregionen Deutschlands. Jährlich kommen rund 1,4 Millionen Gäste. Mit  seinen langjährigen Fährverbindungen ins Baltikum, nach Skandinavien und Russland und dem bundesweit größten Eisenbahnfährhafen in Sassnitz-Mukran bildet Rügen die Drehscheibe für Handel, Transit- und Reiseverkehr in der europäischen Entwicklungszone Ostseeraum. Regionale Kreisläufe wurden geschaffen, Rügenprodukte sind zum Markenzeichen geworden.

Der Landkreis Rügen wird international sehr geschätzt. Rügen ist beispielsweise Mitglied der Organisation der sieben großen Ostseeinseln B7 und der Vier-Ecken-Kooperation und leistet einen wertvollen eigenständigen Beitrag zur Verständigung mit den europäischen Nachbarn.

Der Landkreis Rügen verfügt über eine ausgeprägte und auf die Insel zugeschnittene Infrastruktur mit eigenem Flugplatz, funktionierendem Nahverkehr, Rettungsdienst, Brandschutz, Dienstleistungsservice, Fürsorge-, Bildungs- und Kulturangebot.

Im Kreistag Rügen ist praktisch jede Region des Landkreises präsent. Dadurch wird eine umfassende, kontinuierliche und bürgernahe Interessenvertretung auf demokratischer Grundlage ermöglicht. Die überschaubare Verwaltungsstruktur, die weiter modernisiert wird, gewährleistet, dass die Bürger Dienstleistungen in unmittelbarer Wohnortnähe in Anspruch nehmen können. 

Die Rüganer stehen Neuerungen aufgeschlossen gegenüber. Die geplante Übertragung von Aufgaben vom Land auf die Kreise und von den Kreisen auf die Städte und Gemeinden sind erfolgversprechend. Dies kann zu mehr Effizienz und Bürgerfreundlichkeit, zu Einsparungen und weniger Bürokratie führen. Eine Kreisgebietsreform ist dafür allerdings nicht notwendig.

Der Landkreis Rügen hat in den vergangenen Jahren nachgewiesen, dass er die Aufgaben für seine Bürger und die vielen tausend Urlauber erfüllen kann. Er will dies auch künftig so tun.

Wir bitten Sie, sehr geehrte Mitglieder des Landtages: Lassen Sie es nicht zu, dass der Landkreis Rügen seine Eigenständigkeit verliert. Die Rüganer haben sich so vehement und deutlich für den Erhalt des Landkreises Rügen ausgesprochen. Enttäuschen Sie sie nicht. Wir hoffen sehr, dass Sie Ihre Verantwortung im Interesse der Bürger des Landkreises Rügen wahrnehmen.

 
Prof. Dr. Dieter Reinhardt                                                        Kerstin Kassner
Vorsitzender Bürgerinitiative Pro Rügen                    Landrätin des Landkreises Rügen
   03. Juni 2005

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