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„Tag des offenen Denkmals“: Kreisveranstaltung am Postament der Preußensäule in Neukamp

Bergen - In Frankreich initiiert, in Deutschland Anfang der 90er Jahre übernommen wird der jährliche "Tag des offenen Denkmals" auch auf Rügen stets am zweiten Sonntag im September begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Thema "Krieg und Frieden".

In bewährter Zusammenarbeit organisieren das Ortskuratorium Rügen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Landkreis Rügen die traditionelle kreisliche Festveranstaltung. Die findet jedes Jahr in einer anderen Region des Inselkreises statt. Diesmal werden die Gäste am Postament der Preußensäule in Neukamp bei Putbus erwartet. "Das hat einen besonderen Hintergrund", verrät Landrätin Kerstin Kassner. "Vor wenigen Tagen sind die so genannten Preußensäulen, einschließlich des Standbildes des Großen Kurfürsten, von Berlin nach Rügen zurück gebracht worden. Neukamp ist der angestammte Platz des Monarchen."

Säulen und Standbild sind vorerst im Zentrum von Putbus gelagert, wo sie von der Öffentlichkeit besichtigt werden können. Nach der Sanierung des gesamten Denkmals soll der Große Kurfürst wieder in Neukamp stehen. Gleiches erhofft sich die Landrätin von dessen Pendant Friedrich Wilhelm I. Der ist in Groß Stresow zu Hause. Das Standbild befindet sich zur Zeit noch in Berlin, soll aber ebenfalls nach Rügen gebracht und vorübergehend in Putbus ausgestellt werden.

Der "Tag des offenen Denkmals" beginnt am Sonntag, 11. September 2005, um 10:00 Uhr mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel am Postament der Preußensäule in Neukamp. Nach einer kurzen Festansprache von Landrätin Kerstin Kassner wird der renommierte Militärhistoriker Dr. Horst Auerbach aus Stralsund um 11:30 Uhr einen Vortrag zum Thema "Krieg und Frieden" unter Bezug auf die preußisch-schwedischen Kriege 1678 und 1715 halten. Ab 13:00 Uhr besteht die Möglichkeit zur individuellen Besichtigung von Denkmalen im Stadtgebiet von Putbus, insbesondere natürlich der Teile der Preußensäulen. Auch in anderen Rügener Städten und Gemeinden sind Denkmale geöffnet und Führungen im Angebot. (Bei schlechtem Wetter finden Gottesdienst, Festansprache und Festvortrag in der Kirche zu Kasnevitz satt.)

Dr. Christian Schnitzer, seit mehreren Jahren Rügener Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, hofft auf zahlreiche Besucher. "Der Insellandkreis Rügen zeichnet sich durch eine große Anzahl und Vielfalt von Denkmalen aus. Wir wollen die Öffentlichkeit darauf und auf die Bemühungen zum Erhalt und zum Schutz der Denkmale aufmerksam machen und Interesse wecken. Wir wollen die Bürger sensibilisieren, mit den Denkmalen pfleglich umzugehen, damit diese auch den nächsten Generationen erhalten bleiben."

Hintergrundinformationen: Preußensäulen

Die so genannten Preußensäulen sind ein Stück Geschichte von Deutschlands größter Insel. In den Jahren 1854/ 55 wurden die mehr als 15 Meter hohen Bauwerke im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. von dem Berliner Bildhauer Wilhelm Ludwig Stürmer nach dem Vorbild der Trajansäule in Rom im Stil des späten Klassizismus errichtet. Die imposanten Denkmäler in Neukamp und Groß Stresow im Süden der Insel sollten an die Siege des Großen Kurfürsten und von Friedrich Wilhelm I. über die Schweden erinnern und den Machtanspruch Preußens über den südlichen Ostseeraum demonstrieren.

1985 wurden in einem Gutachten Rissbildungen und Abspaltungen an den Säulen festgestellt, 1991 wurde wegen akuter Einsturzgefahr der Abbau der Standbilder vorgenommen. Es folgte die Einleitung restauratorischer Maßnahmen. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass die meisten Teile des originalen Steinmaterials zerstört und vorerst nicht mehr zur Aufstellung im freien Gelände geeignet waren.

Im Auftrag des Landkreises Rügen als Eigentümer wurden die Preußensäulen Anfang der 90er Jahre von Steinmetzmeister Carlo Wloch abgenommen und zu dessen Berliner Werkstatt transportiert. Hier sollte die Restaurierung und gegebenenfalls die Erstellung von Kopien erfolgen, was aufgrund fehlender Finanzen bislang jedoch nicht möglich war. Am 02. September 2005 wurden die Säulen unbearbeitet nach Rügen zurück gebracht. Nur das Standbild von Friedrich Wilhelm I. befindet sich noch in Berlin.

Die Restaurierungsarbeiten am Postament der Preußensäule in Groß Stresow wurden im Oktober 2004 beendet. Als nächster Schritt ist die Restaurierung des Postaments in Neukamp geplant.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat finanzielle Unterstützung bei der Herrichtung der Preußensäulen zugesagt. Dennoch ist der Landkreis weiterhin auf Spenden für die Preußensäulen, deren Restaurierung insgesamt rund 800.000 Euro kostet, angewiesen. Spendenkonto: Kontonummer 30001636 bei Sparkasse Rügen, Bankleitzahl 13051042, Verwendungszweck „Preußensäulen“.

07. September 2005

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